Am letzten Donnerstag, dem 10.12.2009, stattete ich der Ausstellung des Migros Museums erneut einen Besuch ab – Ziel war es eine umfängliche, persönliche Dokumentation der laufenden Exposition von Tatiana Trouvé zu machen.
Ich war etwa um halb eins dort und der nette, französische Herr beim Eingang machte im gleichen Atemzug wie er mir die nr 30 für meine tasche gab, den 2 anderen besucherinnen klar, dass man da nicht fotografieren dürfe – wie schon immer, das war ja eigentlich klar. Vielleicht hätte ich ja eine Bewilligung einholen können, ich sah aber meine chancen relativ gering, sie so schnell zu bekommen – ich hätte den mir bekannten Praktikanten fragen können – aber ein nein währ ja dann definitiv ein nein gewesen und so entschied ich mich taub zu stellen.
Der erste grosse, offene Raum lag leider gleich vor dem Schreibtisch des, ja eigentlich sehr liebenswürdigen Angestellten und ich wagte mich nicht ein Foto zu machen, wegen Skrupellosigkeit und leichtfertigen auf Spiel setzten meiner Arbeit.
Vornweg möchte ich noch bekannt geben, dass Tatiana Trouve eine meiner “Lieblingskünstler” ist und deshalb mein Text leicht vor – und positiv eingefärbt sein kann. Mir erschien die Dokumentation ihrer Arbeit mit Raum und den zur Verfügung stehenden Ausstellungsräumlichkeiten jedoch sehr intressant und angebracht – später wird sich herausstellen: Ziemlich schwierig mit schneller Fotografie – besser währ da Video.
Der erste Raum wird eingenommen von Pendeln, die von der Decke zum Boden hin, in einem Kreis mit 9m Radius ganz verschiedene Richtungen aufzeichnen. Sie Wirken in ihrer Starre fast unheimlich, ja als wäre die Zeit angehalten worden in dem Moment als alle physischen Gesetze auseinander brachen. Die feinen Metalldrähte zerschneiden die Luft in alle Richtungen, die Pendel weisen, zielstrebig auf unabhängige Ziele – das Durcheinander scheint undurchschaubar im Stillen zu verharren, wie eine Ewigkeit – kennen wir sonst doch nur den schwingenden Pendel, der uns den Raum organisch erleben lässt, ja fast vermenschlicht. Später klärt mich der Praktikant auf, dass die Ausstellung unglaublich viel Aufwand bereitet hätte – all die Magnete nur schon die in den Boden versenkt wurden – 1 Pendel = 1 Magnet! ”350 points à l’infini” 2009.
Beim Durchqueren der Halle kommt eine weitere Installation aus, Kupferdraht an der Wand die durch einen Ableiter in ein Monolith aus Plexiglas. darin befindet sich ein Raumfeuchtigkeitsmesser – der immer in Museen verwendet wird – hier jedoch scheint er Still zu stehen, er dreht zwar langsam und zeichnet jedoch die immer gleichbleibende Luftfeuchtigkeit des abgeschlossenen Kreislaufs auf. Auch hier scheint der Lebensraum auf wenig Fläche zu einem eigenen System für sich zu werden, es scheint nach grosser Anstrengung (das Kupferband an der Wand weist Brandspuren auf) in einen Tiefschlaf gefallen zu sein.
Wenn man den Gang nun bis zum Ende weiter geht, die anderen Räume rechts weglässt – kommt man in die Halle links hinten, unten. Hier wagte ich nun Fotos zu machen, ich stellte mich (nach dem ersten) in die Mitte um eine Rundum-Schau aufzuzeigen:
Der Raum wird durch die vielen Perspektiven – Kupferlinien – und Zeichnungstiefen zu einem Ganzen verbunden – auch ich gehör irgendwie dazu, wenn ich so mitten drin stehe. Unweigerlich werde ich auf den Kupferlinien, auf denen ich stehe, mit ins Bild hineingezogen – platziert, wie auch die mit Farbstift gemalten Autos und Bäume ihre Ebenen verteidigen. Um so näher ich an sie heran trete umso mehr Ebenen tun sich vor mir auf. Textile Flächen heben sich des weiteren von der Wand ab und zeigen eine neue Realitätsebene auf. Alles scheint miteinander verbunden und doch statisch in seiner Welt zu verharren, auch die Steine setzen Verknüpfungspunkte in der Mitte des Raumes, ja befestigen die verschiedenen Fluchtlinien und Lebensräume miteinander. Der Raum scheint nun, wenn man sich alles einzeln, von nah und fern angeschaut hat zu schweben, sich selbständig untereinander zu verbinden. Zuerst schienen mich die hauseigenen Stützpfeiler zu stören, nun aber passen sie in die Raumgestaltung hinein, integrieren sich. Der Fokus ist nun viel schwerer zu setzen, vernetzen sich doch die Linien zu einem unscharfen Ganzen.
Ich verlasse den Raum, die Treppe hoch, raus in den Gang, dort befindet sich auch ein kleines Türichen, ca 1m hoch, dort würds reingehen ins Büro des Museums, z.T. verirren sich auch kleine Kinder da hinein, ist es ja genau die passende Dimension für sie. Ich möchte nicht auf alle Räume eingehen, jedoch hat mich der Praktikant noch auf eine Installation hingewiesen, die ich wirklich glatt übersehen habe, sie befindet sich in einem knapp 30cm breiten Spalt, der ca 4m nach Innen – ins “Museumsgemäuer” führt.
Vorne sind zwei Museumsplättchen angebracht und man denkt sich, dass die sich wiederholen, bis nach hinten, die leuchtende Strukturendimension geben. Es ist kaum abzuschätzen welche Länge der Durchgang aufweist, Dunkel in der Mitte, wird man vom Licht von hinten angezogen. Der Spalt ist jedoch genau zu eng um es zu wagen bis nach hinten durchzugehen – der doch – ich wage mich, möchte herausfinden obs wirklich die selben Plättchen sind, scheinen sie mir doch zu schwarz um solches Licht auszustrahlen -
und tatsächlich, sie leuchten so weil sie aus Kupfer sind. Zwischen den engen, honen Wänden, bekommet man schnell Platzangst, ich möchte zwar bis zum Licht hin – vielleicht gehts ja um die Ecke in einen neuen Raum – aber es ist einfach zu eng, mein Mantel bleibt fast an den Täfelchen hängen und ich gehe wieder zurück hinaus – ich denke genau das wollte mit dieser Installation suggeriert werden. Ein unbetretbarer Raum der eine grosse Anziehung ausübt, arbeitet Tantiana Trouvé ja auch mit Glasscheiben, die den Raum teilen, kleine Öffnungen lassen, meist zu klein für uns Erwachsenen, sie zeigen Innenleben auf von Menschen, gewisse Orte scheinen abgeschnitten, in eine Starre verfallen, sich nach grossem Druck versteift zuhaben und nun nur durch eine grosse Distanz anschaubar. Das gilt wohl auch für das Licht am Ende des Spaltes, eigentlich nicht gedacht für allzuforschende Besucher, scheint es, wie eine versteckte Seele, an einem unscheinbaren Ort hervor, nicht dazu da in ihre Nähe zu gelangen.


















Dann weiter zum vier Lindenhof, wo sich anscheinend uralte Gemäuerreste unter einer im Boden eingelassenen Klapptüre versteckt.

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Der Austausch unter Künstlern ist nicht
immer leicht – gleich vor meiner Ankunft haben sich wegen eines vorgeführten Videoprojektes (von Voin) zwei Lager gebildet – ein Religionenkonflikt. Das Aufeinandertreffen von Künstlern, die gegenseitige Kritik, Teilnahme und Exponierung errinnert mich an die Critic Sessions von CALArts.
In der Nacht wird es grell beleuchtet, es pulsiert durch seine Besucher die sich alle durch eine kleine Öffnung im Reissverschluss zwängen.
